Neue Szene - Theaterverlag
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Jacarandas oder Die Belagerung

Stück in 14 Szenen
3 D 6 H variable Grunddeko
Der schwarze Südafrikaner Isaac Ndaronga sitzt in der Abschiebezelle des Flughafengeländes. Ausweisung. Er erzählt rückblickend seine Geschichte und die seiner Schwester Maria. Der brutalen Unterdrückung durch Polizei und Armee des Apartheidregimes ist das Geschwisterpaar auf abenteuerliche Weise entkommen. In Südafrika blühten Jacarandas nur für die Weißen. In Deutschland hoffen sie auf ein neues Leben.
Durch den Bauernsohn Karl Brenner bekommt Isaac Arbeit, und Karl und Maria sind ein heiter verliebtes Paar. In der Stadt. Doch als Karl durch den Unfall seines Vaters auf den elterlichen Hof zurückgerufen wird und Maria mit aufs Dorf nimmt, beginnen die Jagdszenen in der Provinz. Und daran sind nicht nur braune Hohlköpfe schuld, die mit Maria auf dem Schützenfest eine Art Spießrutentanz veranstalten, bei dessen Beendigung Karl nur eine dürftige Figur abgibt. Auch die Honoratioren des Ortes: “...eine durchrasste Dorfgemeinschaft wird es nicht geben... sind wir unseren Kindern schuldig“ legen ihre Tarnkappen ab. Gewaltbereite rechte Fanatiker, die ihren dumpfen Haß auf alles Fremde auch mit Brandsätzen zum Ausdruck bringen, gehören mittlerweile ins Bild zwischen Mölln und Hoyerswerda, zwischen Rostock und Solingen. Grund also für die norddeutsche Bauernfamilie Brenner, das Schlimmste zu befürchten, als nachts Brandfackeln auf ihren Hof fliegen und bei dröhnender Marschmusik die Herausgabe der schwarzen Südafrikanerin gefordert wird. Zwar erweist sich die bedrohlich eskalierende Belagerung am Ende als ein übler Test von eine paar arbeitslosen Neonazis, die die Standhaftigkeit der Brenners prüfen wollen. Doch sie erreichen ihr Ziel: Maria wird – zutiefst verstört – dem feindlichen Klima entfliehen und mit ihrem Bruder zurück nach Südafrika fliegen. Für die Beamten am Flughafen ist die Abschiebung eine Routineübung, die sie umso weniger belastet, als sie die beiden Geschwister doch in ein inzwischen von den Unmenschlichkeiten der Apartheid befreites Land zurückschicken. Doch Isaac weiß, dass sie als ehemalige ANC-Zulus nun als Abtrünnige von der Lyvchjustiz durch die eigenen Stammesgenossen bedroht sind. Die Jacarandas werden dort auch jetzt nicht blühen für sie.
Fred Liptow hat ein Stück zu einem im wahrsten Sinn des Wortes brennend aktuellem Thema geschrieben in der Tradition des sozialkritischen Volksstücks von Ludwig Anzengruber über Marieluise Fleißer und ihre Dramatiker-„Söhne“ bis hin zu Klaus Pohl.
In einer früheren Form in einer Übersetzung ins Niederdeutsche hat dieses ebenso spannende wie differenzierte Stück bereits seine hohe Bühnentauglichkeit bewiesen.
Anläßlich einer Inszenierung in Neumünster schrieb die Presse über KEEN HEIMAT:
„...ein komplexes Stück, das die Ausländerfeindlichkeit in dieser zerrissenen Gesellschaft widerspiegelt.“ (Holsteinischer Courier) –Liptow braucht meistens nur telegrammartig knappe Texte, um Bedrohungen, Ängste und Eskalation von Haß aufzuzeigen (NWZ). – Hochbrisant...Dieses Thema ist auch überregional brennend aktuell. (Segeberger Ztg.)
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